
Wie belade ich den Caravan richtig?
2025-06-03
Nachhaltig mit dem Wohnwagen reisen
2025-10-10Typische Wohnwagen-Anfängerfehler & wie Sie sie von Anfang an vermeiden
Der erste Urlaub mit dem eigenen Wohnwagen, ein Moment voller Vorfreude und Aufregung. Doch gerade beim Einstieg ins Caravaning schleichen sich schnell kleine Missgeschicke ein, die den Start ins Abenteuer trüben können. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Anfängerfehler lassen sich mit etwas Vorbereitung und den richtigen Tipps problemlos vermeiden.
Ob es um die Sicherheit auf der Straße geht, den Komfort am Stellplatz oder den langfristigen Werterhalt Ihres Caravans, wer die typischen Stolperfallen kennt, reist nicht nur entspannter, sondern schützt auch sein Fahrzeug und seine Mitreisenden. Wir zeigen Ihnen sechs häufige Fehler, die Caravan-Anfängern immer wieder unterlaufen und geben Ihnen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand. So starten Sie bestens vorbereitet in Ihre ersten Wohnwagen-Abenteuer.
Fehler 1: Mit überladenem Wohnwagen losfahren
Haben Sie Ihren Wohnwagen schon einmal gewogen? Falls nein, sollten Sie das unbedingt vor der nächsten Reise tun, am besten im voll beladenen Zustand. Denn die oftmals großzügigen Stauräume in modernen Caravans verführen schnell dazu, deutlich mehr Ausrüstung mitzunehmen, als das zulässige Gesamtgewicht erlaubt.
Das Problem beginnt häufig schon vor dem ersten Packen: Ein großer Teil der verfügbaren Zuladung wird bereits durch Sonderausstattung wie Mover, optionale Klimatechnik oder Markise aufgebraucht. Was auf dem Papier nach ausreichend Spielraum aussieht, schrumpft in der Realität schnell zusammen. Die Folgen einer Überladung sind jedoch alles andere als harmlos: Der Bremsweg verlängert sich erheblich, das Fahrverhalten wird instabil und der Verschleiß an Reifen, Fahrwerk und Bremsen nimmt drastisch zu. Im schlimmsten Fall drohen Bußgelder, Punkte in Flensburg oder sogar der Verlust des Versicherungsschutzes bei einem Unfall.
Doch nicht nur das Gesamtgewicht spielt eine entscheidende Rolle für die Fahrsicherheit, auch die Verteilung der Ladung ist von zentraler Bedeutung. Eine falsche Gewichtsverteilung kann das Gespann zum Aufschaukeln bringen und die Kontrolle über das Fahrzeug erheblich erschweren.
So beladen Sie Ihren Caravan richtig
Die goldene Regel beim Beladen lautet: Schwer nach unten, leicht nach oben. Schwere Gegenstände wie Vorzelt, Werkzeug, Lebensmittelkonserven oder Getränkeflaschen gehören bodennah gelagert, idealerweise um die Achse herum. Mittelschweres Equipment wie Schuhe, Kochtöpfe oder trockene Nahrungsmittel sollte in den unteren Schrankfächern und Schubladen verstaut werden. Leichtes Gepäck wie Kleidung, Handtücher oder Geschirr darf in den oberen Staufächern seinen Platz finden.
Neben dem Gesamtgewicht des Caravans sind auch die Achslast und die Stützlast entscheidende Größen. Die Achslast bezeichnet das Gewicht, das auf die Achse des Wohnwagens wirkt, während die Stützlast angibt, wie viel Gewicht auf der Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs lastet. Beide Werte dürfen die vom Hersteller angegebenen Maximalwerte nicht überschreiten.
Mit tragbaren Waagen aus dem Campingfachhandel können Sie diese Werte ganz einfach selbst überprüfen. Alternativ fragen Sie bei einem Recyclinghof, einem Kieswerk oder bei einer Prüforganisation wie TÜV oder DEKRA in Ihrer Nähe nach. Ein regelmäßiger Kontrollgang zur Waage, besonders vor längeren Reisen, gibt Ihnen die Sicherheit, dass Sie sich im zulässigen Rahmen bewegen.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber „Wie belade ich den Caravan richtig?„.
Fehler 2: Schubladen & Schranktüren nicht sichern
Der Wohnwagen wurde perfekt für die Abfahrt vorbereitet, alle Fenster, Schränke und Dachluken geschlossen, das Gas abgedreht, der Kühlschrank auf 12 Volt umgestellt, die Ladung gesichert wie für eine Expedition. Der Motor des Zugfahrzeugs läuft bereits, da fällt einem ein, dass man noch ganz dringend eine Gabel aus der Küchenschublade braucht, um während der Fahrt den Nudelsalat vom Vortag zu verdrücken.
Natürlich wurde dabei vergessen, das Pushlock an der Schublade wieder einzurasten. Bei Seitenküchen ist das meist nicht so dramatisch, hier gibt es in der Regel keine größeren Schäden. Bei Heckküchen dagegen kann bei einer Vollbremsung die Schublade schon mal samt Innenleben durchs Wohnzimmer fliegen. Meist ist sie dann auch nicht mehr zu retten und es muss ein relativ teures Ersatzteil beschafft werden.
Nicht weniger unangenehm ist es, wenn sich der Inhalt des Kühlschranks oder des Badschranks, vor allem der flüssige, auf dem Boden verteilt. Neben dem materiellen Schaden und der mühsamen Reinigung besteht auch ein nicht zu unterschätzendes Verletzungsrisiko, wenn schwere Gegenstände oder Glasflaschen durch den Innenraum geschleudert werden. Die Kosten für Reparaturen und Ersatzteile können schnell in die Hunderte gehen.
Besser: Feste Abfahrtsroutine etablieren
Deshalb unser Tipp: Legen Sie sich eine Checkliste für die Abfahrt an und arbeiten Sie diese konsequent ab. Teilen Sie die Verantwortlichkeiten für jeden einzelnen Schritt untereinander auf und kommunizieren Sie klar miteinander, welche Punkte bereits erledigt sind. So weiß jeder, wofür er zuständig ist, und nichts wird vergessen.
Führen Sie unmittelbar vor dem Verschließen der Tür einen letzten Kontrollgang durch den gesamten Wohnwagen durch. Überprüfen Sie dabei systematisch alle Kühlschranktüren, Schranktüren und Schubladen. Dieser finale Rundgang dauert nur wenige Minuten, erspart Ihnen aber möglicherweise viel Ärger und Kosten. Mit der Zeit wird diese Routine zur Selbstverständlichkeit und Sie können beruhigt losfahren, ohne sich unterwegs Sorgen machen zu müssen.
Fehler 3: Nicht an das Bettzeug denken
Der absolute Klassiker unter den Wohnwagen-Anfängerfehlern: Sie haben Ihr ganzes Equipment top organisiert, sogar an Spiele für die Kinder, das Spülmittel und die Picknickdecke wurde gedacht. Nur ein ganz kleiner, unwichtiger Teil wurde vergessen: Ihre Bettdecken und Kopfkissen.
Was zunächst wie ein kleines Missgeschick klingt, kann den gesamten Urlaub beeinträchtigen. Denn ohne erholsamen Schlaf fehlt die Energie für die schönsten Ausflüge und Erlebnisse. Gerade bei spontanen Wochenendtrips oder wenn die Vorfreude so groß ist, dass man in Eile packt, passiert dieser Fehler häufig. Und nicht überall lässt sich kurzfristig Ersatz beschaffen, besonders an abgelegenen Stellplätzen oder außerhalb der Geschäftszeiten.
So vermeiden Sie schlaflose Nächte
Wenn Sie eher unregelmäßig mit dem Caravan verreisen, legen Sie sich auch fürs Packen eine detaillierte Checkliste an, in der dieser Punkt ganz fett markiert ist. Gliedern Sie Ihre Packliste nach Kategorien wie Küche, Bad, Schlafen, Kleidung und Technik, so behalten Sie den Überblick und vergessen nichts Wichtiges.
Für häufigere Wohnwagenurlaube lohnt sich die Anschaffung eines zweiten Bettwäsche-Sets, das dauerhaft im Caravan bleibt. Dann müssen Sie nicht immer so viel hin- und herschleppen und können sicher sein, dass Sie am Zielort alles Nötige vorfinden. Gleiches gilt übrigens für Handtücher, Kissen und Decken: Ein fester Grundbestand im Wohnwagen spart Zeit beim Packen und sorgt dafür, dass Sie jederzeit spontan losfahren können.
Fehler 4: Den Caravan nicht korrekt ankuppeln
Wenn Sie diesem Punkt nicht genügend Aufmerksamkeit schenken, kann sich Ihr Wohnwagen im schlimmsten Fall während der Fahrt vom Zugfahrzeug lösen. Was es im öffentlichen Raum bedeutet, wenn sich ein solches Geschoss plötzlich selbstständig macht, beispielsweise in einer Stadt oder auf einer Autobahn, kann man sich ausmalen. Die Folgen reichen von schweren Sachschäden über Verletzungen bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen für alle Verkehrsteilnehmer.
Auch wenn dieser Worst Case selten eintritt, ist die Sicherheitsrelevanz des korrekten Ankuppelns nicht zu unterschätzen. Eine nicht richtig geschlossene Kupplung, ein vergessenes Abreißseil oder eine fehlerhafte elektrische Verbindung können bereits ausreichen, um gefährliche Situationen herbeizuführen. Gerade als Anfänger sollten Sie sich daher ausreichend Zeit nehmen und jeden Schritt gewissenhaft durchführen.
Schritt-für-Schritt: Wohnwagen richtig ankuppeln
So kuppeln Sie Ihren Caravan korrekt ans Zugfahrzeug:
- Kurbelstützen hochfahren.
- Stützlast prüfen, warum das wichtig ist und wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie hier: Stützlast beim Wohnwagen: Entscheidend für die Fahrsicherheit.
- Stützrad so weit ausfahren, dass die Anhängekupplung des Zugfahrzeugs darunter passt.
- Falls vorhanden: Mover anschwenken.
- Handbremse am Caravan lösen.
- Zugfahrzeug an den Wohnwagen heranrangieren. Alternativ: Wohnwagen mit Mover an die Autokupplung steuern, bis das Kupplungsmaul über dem Kugelkopf schwebt.
- Griff der Antischlingerkupplung hochziehen.
- Kupplungs-Handgriff nach oben ziehen, bis er einrastet.
- Durch Hochkurbeln des Stützrads das Kupplungsmaul des Wohnwagens absenken, bis das Kupplungsmaul den Kugelkopf umschließt und ein klackendes Geräusch ertönt.
- Griff der Antischlingerkupplung fest herunterdrücken.
- Zur Kontrolle das Stützrad nochmal ein Stück nach unten drehen, bis sich das Zugfahrzeug hinten leicht anhebt.
- Stützrad komplett hochkurbeln und mit Knebelfeststeller sichern.
- 13-poligen Stecker mit der Steckdose des Zugfahrzeugs verbinden.
- Das Abreißseil anbringen, weitere Informationen dazu finden Sie hier: Abreißseil für den Caravan richtig befestigen – Wo braucht man eine „Holland-Öse“?.
- Beleuchtungscheck am Wohnwagen durchführen (Abblendlicht, Blinker, Warnblinkanlage, Rückfahrscheinwerfer, Bremsleuchte).
- Handbremse am Wohnwagen lösen.
Mit dieser systematischen Vorgehensweise stellen Sie sicher, dass Ihr Gespann sicher und vorschriftsmäßig verbunden ist. Nehmen Sie sich gerade in den ersten Wochen ausreichend Zeit für diesen Vorgang und gehen Sie jeden Punkt bewusst durch, mit zunehmender Erfahrung wird der Ablauf zur Routine.
Fehler 5: Übernachtung auf Rastplätzen unterschätzen
Auch wenn es in Campinggruppen und Foren immer wieder propagiert wird: Verzichten Sie bitte unbedingt auf Übernachtungen an Rastplätzen und Autobahnparkplätzen!
Camping ist grundsätzlich eine sehr sichere Reiseform, doch wenn man von Überfällen oder Diebstählen hört, haben diese fast ausschließlich an solchen Lokalitäten stattgefunden. Der Grund: Langfinger wissen, dass dort lohnende Beute auf sie wartet und sie genauso schnell wieder verschwinden können, wie sie gekommen sind. Die hohe Fluktuation und der permanente Lärm an Raststätten sorgen dafür, dass verdächtige Aktivitäten kaum auffallen. Hinzu kommt: Rastplätze bieten keinerlei Infrastruktur, keine sanitären Anlagen und keine Kontrolle, erholsamer Schlaf ist hier nahezu unmöglich.
Sicherere Alternativen für Zwischenstopps
Viel sicherer ist es, sich einige Kilometer von der Autobahn zu entfernen und einen geeigneten Übernachtungsplatz zu suchen. Häufig werden auf Campingplätzen für durchfahrende Gäste spezielle Stellplätze „vor der Schranke“ angeboten, die auch zu später Stunde noch angesteuert werden können.
Eine weitere Alternative sind Wohnmobilstellplätze, auf denen Caravan-Gespanne ausdrücklich erlaubt sind. Oder Sie suchen sich einen großen Supermarkt- oder Baumarktparkplatz, auf dem Wohnwagen nicht explizit verboten sind, hier werden Sie nachts niemanden stören und können sich morgens gleich noch mit einem Frühstück oder einer Gasfüllung versorgen.
In Frankreich gibt es beispielsweise Supermärkte, die sogar eigene Bereiche für Reisemobile ausweisen und Waschmaschinen sowie Trockner, manchmal selbst eine Entsorgungsmöglichkeit, vorhalten.
Fehler 6: Den Wohnwagen mit Kurbelstützen ausrichten
Nach den vorherigen Tipps haben Sie Ihre Ab- und Anreise hoffentlich entspannt und sicher gemeistert, die Ausrüstung ist komplett an Bord und der Wohnwagen ist während der gesamten Fahrt sicher hinter dem Zugfahrzeug hergerollt. Nun müssen Sie Ihr mobiles Zuhause nur noch auf die Parzelle stellen, gerade ausrichten und abstützen.
Gerade beim letzten Punkt jedoch passiert gerne der größte Fehler: Viele Camper nutzen die Kurbelstützen zum Nivellieren ihres Wohnwagens. Tun Sie das bitte auf keinen Fall! Hierdurch kann der Unterbau Ihres Fahrzeugs erhebliche Schäden davontragen, denn dieser Bereich ist für eine größere punktuelle Belastung nicht konzipiert. Die Kurbelstützen sind ausschließlich zur Stabilisierung gedacht, nicht zum Anheben oder Ausrichten des Caravans. Wer sie dennoch dafür verwendet, riskiert Verformungen am Chassis, Risse im Aufbau oder beschädigte Befestigungspunkte, Schäden, die teuer und oft nicht sofort sichtbar sind.
Richtig nivellieren: So geht’s
Verwenden Sie stattdessen das Stützrad für die Ausrichtung in der Längsachse und Auffahrkeile für Unebenheiten oder Schrägen in der Querachse. Eine Wasserwaage hilft bei der Überprüfung, ob Ihr Wohnwagen gerade steht. Erst wenn alles „im Wasser steht“, drehen Sie die Kurbelstützen herunter, bis sie festen Bodenkontakt haben, aber den Caravan nicht anheben.
Die richtige Reihenfolge lautet also: Zuerst mit Auffahrkeilen die Querachse ausgleichen, dann mit dem Stützrad die Längsachse justieren und erst zum Schluss die Kurbelstützen zur Stabilisierung einsetzen. So schonen Sie Ihren Wohnwagen und sorgen für einen sicheren Stand auf jedem Stellplatz.
Eine ausführliche Anleitung finden Sie im Ratgeber „Wohnwagen abstützen und nivellieren„.
Fazit: Mit guter Vorbereitung entspannt unterwegs
Die gute Nachricht: Alle diese typischen Wohnwagen-Anfängerfehler sind mit etwas Aufmerksamkeit und der richtigen Vorbereitung vollständig vermeidbar. Ob es um die korrekte Beladung, das sorgfältige Ankuppeln oder die Wahl des richtigen Übernachtungsplatzes geht, wer sich die Zeit nimmt, die Grundlagen zu verinnerlichen, profitiert durch mehr Sicherheit auf der Straße, besseren Komfort am Stellplatz und den langfristigen Werterhalt seines Caravans.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in festen Routinen statt spontaner Improvisation. Checklisten für die Abfahrt, ein systematischer Kontrollgang und die konsequente Einhaltung bewährter Abläufe machen den Unterschied zwischen stressigen Missgeschicken und entspannten Reiseerlebnissen. Mit der Zeit werden diese Handgriffe zur Selbstverständlichkeit und Sie können sich voll und ganz auf das konzentrieren, wofür Sie sich Ihren Wohnwagen angeschafft haben: unvergessliche Momente und gemeinsame Abenteuer.




